Saisonrückblick 16/17 und Vorschau 17/18

"Nach der Saison ist vor der Saison". Diese altbekannte Phrase gilt nicht nur im Fußball, sondern selbstredend in jeder Sportart mit einem saisonalen Ligabetrieb. Anfang Mai ist wie in jedem Jahr auch die Saison in den Schachligen zu Ende gegangen und seither war für alle Beteiligten auch mal etwas Zeit, Rückschau zu halten. Was hat die letzte Saison gebracht? Auch in der Schachabteilung des FC Bayern stellt man sich diese Frage natürlich. Insbesondere unter dem Aspekt, den der Titel dieses Beitrags nahelegt: Nachhaltigkeit. Sind wir in unserer Entwicklung ein Stück voran gekommen, war die Saison eher von Stillstand gekennzeichnet oder stehen wir vielleicht sogar schlechter da als vor Jahresfrist? 

Natürich ist die Antwort im Detail nicht ganz so eindeutig, auch wenn das Gesamturteil wohl kaum schlecht ausfallen kann, angesichts der zahlreichen guten Ergebnisse, die es in der abgelaufenen Saison wieder gab.

Eine nachhaltige Entwicklung ist in jedem Fall in unserer 1. Mannschaft in der 1. Bundesliga zu beobachten. Galt bis zur vorletzten Saison eigentlich immer, dass einer der Abstiegsplätze für den FC Bayern reserviert ist und der Klassenerhalt eigentlich nur bei ausreichend vielen Rückzügen am grünen Tisch möglich ist, so spielte die Mannschaft in dieser Saison erstmals ernsthaft um den Klassenerhalt mit. Am Ende fiehl die Mannschaft zwar noch auf den 13. Platz zurück. Da zu diesem Zeitpunkt aber bereits feststand, dass der 13. Platz reichen würde, war es zumindest aber schon einmal ein "gefühlter echter Klassenerhalt". Zweifelsohne haben die beiden Neuzugänge Linus Johansson und Philip Lindgren der Mannschaft gut getan, und das nicht nur von den Ergebnissen her! Sie sind Teil eines langfristigen Konzepts, nämlich der konsequenten Verjüngung der Bundesliga-Mannschaft. Talentierten Nachwuchspielern die Möglichkeit zu erüffnen, sich auf höchstem Niveau zu beweisen, ist eine wesentlich Komponente der Jugendförderung, der sich der FC Bayern verschrieben hat. Genau in diese Richtung wird sich die 1. Mannschaft auch in der kommenden Saison weiterentwickeln. Mit Noel Studer stößt dabei der letztjährige Schweizer Meister dazu. Der 20-jährige wird am 2. Brett in der Bundesliga genau die Gegner bekommen, die er sich für seine sportliche Weiterentwicklung wünscht. Und eine Verstärkung für die Mannschaft stellt er natürich allemal dar! Gleiches gilt auch für die beiden anderen Neuzugänge für die kommenden Saison: Roman Vidonyak und Makan Rafiee. Während letzterer ebenfalls noch zur jungen Garde zählt und nach seinem Umzug nach München auf der Suche nach einer neuen schachlichen Heimat war, bringt Roman Vidonyak neben seiner Spielstärke aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit natürlich noch jede Menge "Know-how" in Sachen Jugendarbeit mit. Natürlich bleibt abzuwarten, wie die Kräfteverhältnisse in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga sein werden, aber der Klassenerhalt aus eigener Kraft sollte auf jeden Fall das Ziel sein.

Einen bedeutende schwereren Stand als die Männer hatte es die 1. Frauen-Mannschaft in der 1. Frauen-Bundesliga. Vielleicht wäre am Ende etwas mehr drin gewesen als die "rote Laterne", aber darauf kam es letztlich nicht an. Die gleiche Mannschaft, die im Vorjahr den Aufstieg erspielte, saß auch in der 1. Liga am Brett. Als Saisonhöhepunkte bleiben ein großartiges Heimwochenende im Kulturhaus Milbertshofen und die Teilnahme an der zentralen Endrunde in Berlin in Erinnerung. Es hat Spaß gemacht und sich gelohnt, in der 1. Liga zu spielen. Und die Mannschaft hat jederzeit ihr Bestes gegeben! Und unter diesen Voraussetzungen ist - jedenfalls wie ich unsere Frauen so kenne - eine Wiederholung des "Abenteuers Bundesliga" vielleicht sogar irgendwann wieder möglich.

Gewissermaßen im Windschatten der 1. Frauen-Mannschaft segelte die 2. Frauen-Mannschaft in der Frauen-Regionalliga, und das mit gutem Erfolg. Imemrhin gelang ungeschlagen der 2. Platz, selbst wenn der eine oder andere kampflose Punkt die Regionalliga insgesamt etwas entwertete. Das lag aber nicht an unseren Frauen. Im Gegenteil: Für die kommenden Saison ist eventuell sogar eine 3. Frauen-Mannschaft beim FC Bayern in Sicht!

Auf bayerischer Ebene waren wir mit zwei Mannschaften vertreten. Die 2. Mannschaft in der Oberliga hatte ein ganz klares Saisonziel: einen der beiden Aufstiegsplätze in die 2. Bundesliga. Trotz einiger Ausrutscher war dies lange Zeit noch drin, bevor gegen Saisonende die entscheidenden direkten Duelle verloren gingen. Kann passieren, nicht so schlimm. Allerdings passierte dies nun schon zum wiederholten Male, obwohl die Mannschaft jedesmal mehr oder weniger klar zu den Favoriten in der Oberliga zählte. Dass es unabhängig von den Ergebnissen insgesamt derzeit nicht ganz so rund läuft in der 2. Mannschaft, ist unter anderem auch daran abzulesen, dass es am Ende der Saison zu erheblichen Besetzungsproblemen kam, die sogar in einem freien Brett in der Schlussrunde gipfelten. Um hier etwas gegenzusteuern, werden künftig die 1. und die 2. Mannschaft personell wieder etwas mehr zusammenrücken. Einige Spieler der 1. Mannschaft werden auch für Einsätze in der Oberliga vorgesehen sein. Ein neues Konzept, dass natürlich eine gute Koordination über beide Mannschaften hinweg erfordert.

Eine extrem positive Überraschung stellte die 3. Mannschaft in der abgelaufenen Saison dar. Von einer grauen Maus in der Regionalliga, die noch bis vor 2 Jahren regelmäßig um den Klassenerhalt kämpfte und dem Abstieg mehrfach nur knapp entging, hat sich die Mannschaft zu einem Aufstiegskandidaten gemausert und verpasste den Aufstieg in die Landesliga am Ende zur ganz knapp. Keine Frage, dass sich in der 3. Mannschaft nach zwei Jahren auch die Handschrift von Mannschaftsführer Thomas Braun bemerkbar macht, der nicht nur das Organisatorische voll im Grff hat, sondern auch dafür sorgt, das jeder angemessen zum Zuge kommt. Und das kommt auch der Stimmung zu Gute. Kritische Töne sind jedenfalls nicht zu hören. Im Gegenteil: "Mir gefällt es in der 3. Mannschaft" ist der praktisch einhellige Tenor.

An der Münchner Mannschaftsmeisterschaft haben wir wie in den Vorjahren wieder mit 4 Mannschaften teilgenommen. Wollte man die Saison ganz kurz zusammenfassen, so könnte man sagen: "Dreimal Top und einmal Flop". Letzterer ist eindeutig das Abschneiden der 4. Mannschaft in der Bezirksliga. Nicht, dass die Mannschaft mit größeren Ambitionen ins Rennen gegangen wäre, aber es reichte trotz nominell akzeptabler Spielstärke einfach nicht mehr, um oben mitzuspielen. Im "Reformjahr" 2017 war bereits der vorletzte Platz ausreichend, um sich für die neue, aus 10 Mannschaften bestehende Bezirksliga zu qualifizieren. Aber sogar dieses Minimalziel konnte erst in den beiden Schlussrunden sichergestellt werden. Die vorderen Plätze waren dagegen nach den ersten drei Runden praktisch schon außerhalb jeder Reichweite. Der Mannschaft fehlen momentan eindeutig etwa zwei bis drei Spieler mit einer DWZ um die 2000, um wieder voll konkurrenzfähig zu sein, also noch jede Menge Platz für Interessenten, die in einer ausgeglichenen Lige auf diesem Niveau spielen wollen.

Die 5. Mannschaft von Mannschaftsführer Thomas Lentrodt spielte eine hervorragende Saison und war bis zum letzten Spieltag im Rennen um den Staffelsieg mit dabei. Da ein Aufstieg in die Bezirksliga ohnehin nicht möglich war, was es nicht weiter tragisch, dass es schließlich "nur" zum 3. Platz reichte. Das Saisonziel, sich in der A-Klasse zu etablieren und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, wurde erfüllt, und ganz ähnlich dürften die Ziele der 5. Mannschaft auch in der kommenden Saison sein.

Überaus erfolgreich spielte auch die 6. Mannschaft in der C-Klasse. Das angestrebte Saisonziel war immerhin kein geringeres als der Aufstieg in die B-Klasse. Runde um Runde erspielte sich die Mannschaft um Mannschaftsführer Hans-Peter Dolezal ihre Punkte. Ungeschlagen und mit nur zwei abgegebeben Punkten landere die sie schließlich auf Platz 2, der für den Aufstieg reichte. Damit kommt in der kommenden Saison nun eine anspruchsvolle Aufgabe in der B-Klasse auf die 6. Mannschaft zu. Aber warum soll in der B-Klasse der Klassenerhalt nicht möglich sein? Ich jedenfalls traue das der Mannschaft durchaus zu!

Und die 7. Mannschaft? Ich muss sagen, ich bin total begeistert!! Nicht nur, dass sie in ihrem zweiten Jahr überraschend sogar um den Aufstieg mitspielte und diesen am letzten Spieltag tatsächlich noch aus eigener Kraft hätte schaffen können. Besonders die Atmosphäre in der Mannschaft hat es mir angetan. Ich war in der abgelaufenen Saison einmal Zuschauer bei einem Auswärtsspiel. In Forstenried in einem recht engen Vereinszimmer. Das Match ging verloren aber hinterher saßen wir noch im Clublokal zusammen haben etwas gegessen und Partien angeschaut. Der Abend hat mir - und das ist wirklich nicht nur so dahergesagt - genauso viel Spaß gemacht wie ein Abend bei einem Auswärtsspiel mit der 1. Mannschaft in der 1. Bundesliga. Und welch besseren Beweis für die gute Stimmung in der 7. Mannschaft gibt es als den Wunsch, auch weiterhin zusammen spielen zu wollen? Und auch sportlichen Ehrgeiz gibt es sogar! Für die kommende Saison in der D-Klasse die Chance zu optimieren, wieder um den Aufstieg mitzuspielen, wird das Ziel sein. Da in der D-Klasse künftig nur noch mit 6er-Mannschaften gespielt wird, sind Veränderungen ohnehin unausweichlich.

Diese Veränderungen schließen auch ein, dass wir mit einer neuen 8. Mannschaft in der E-Klasse starten werden. Die E-Klasse wurde im Zuge der MMM-Reform neu geschaffen und spielt mit 4er-Mannschaften. Dass die 8. Mannschaft kommen wird, war schon längere Zeit der Plan. Doch es gibt weitere Neuigkeiten: Der unveränderte Zulauf an neuen Mitgliedern lässt nunmehr auch mit acht Mannschaften fraglich erscheinen, ob wir genügend Spielmöglichkeiten für alle Mitglieder haben werden. Dies insbesondere, nachdem sich einige Mitglieder der von Günter Schütz betreuen Jugendgruppe im Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium für eine Mitgliedschaft beim FC Bayern München entschieden haben und ebenfalls Interesse an einer Teilnahme an der MMM bekunden. Die Konsequenz: In der kommenden Saison startet noch eine weitere Mannschaft in der E-Klasse: FC Bayern München 9!

Eine grandiose Saison steht uns bevor. 12 Mannschaften werden ab Herbst für den FC Bayern München ins Rennen gehen. Und darauf freue ich mich schon jetzt! (Wengler)