1. Bundesliga 2016/2017 - Runden 13 bis 15

Der FC Bayern München wird auch in der Saison 2017/2018 in der 1. Schachbundesliga spielen! Das ist das erfreuliche Ergebnis der zentralen Endrunde der Schachbundesliga am vergangenen Wochenende in Berlin. Die von den Schachfreunden Berlin hervorragend ausgerichtete Veranstaltung umfasste die jeweils letzten drei Runden der 1. Bundesligen der Männer und Frauen und war ein bis dato einmaliger Höhepunkt im deutschen Schach. Insbesondere im Kampf um den Klassenerhalt war aufgrund der Tabellensituation jede Menge Spannung zu erwarten und so erlebte auch unsere Mannschaft (Foto: Wolfgang Galow) ein turbulentes Wochenende, das sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Den Auftakt bildete das mit Spannung erwartete „Lokalderby" gegen MSA Zugzwang. Da dieses Match das einzige noch verbleibende direkte Duell der fünf Abstiegskandidaten untereinander war, konnte sich der Sieger beste Chancen ausrechnen, den rettenden 12. Platz zu erreichen, den vor der zentralen Endrunde noch die SG Speyer Schwegenheim punktgleich vor dem FC Bayern und den mit einem Punkt Rückstand folgenden Mannschaften SV Griesheim, SK König Tegel und MSA Zugzwang einnahm. Leider begann der Kampf alles andere als günstig für uns, da Linus Johansson bereits in der Eröffnung in Nachteil geriet und sich seine Niederlage gegen Gerald Hertneck schon alsbald abzeichnete. Danach musste die Mannschaft einem Rückstand hinterherlaufen, den aufzuholen sich alles andere als einfach erwies. Zu stark war die Gegenwehr der Spieler von Zugzwang, die sich im Wesentlichen keine Blöße gaben und sich schrittweise mit Remisen dem Sieg näherten. Einzig Michael Fedorovsky hatte am Brett 1 gute Chancen, seine Partie gegen Stefan Bromberger zu gewinnen, doch fand er vor der Zeitkontrolle nicht den richtigen Weg und ließ einen schwarzen Bauerndurchbruch am Königsflügel zu, der seinem Gegner ausreichendes Gegenspiel gestattete. So war die Entscheidung bis zur Zeitkontrolle eigentlich gefallen, denn neben Michael Fedorovsky spielte nur noch Philip Lindgren, der in einem schlechteren Endspiel um das Remis kämpfte. Dies gelang ihm letztlich nicht, so dass am Ende ein aus unserer Sicht enttäuschendes 3-5 zu Buche stand, mit dem MSA Zugzwang auf den 12. Platz nach vorne sprang und nun die besten Karten im Kampf um den Klassenerhalt in der Hand hatte. Unsere Mannschaft rutschte dagegen auf den 14. Platz ab.

Am Sonntag trat der FC Bayern dann auf vier Positionen verändert an, um gegen DJK Aachen die letzte Chance zu suchen, möglicherweise doch noch zu den dringend benötigten Punkten zu kommen. Kurz nach Beginn des Kampfes wurde den im Abstiegskampf befindlichen Mannschaften mitgeteilt, dass die SG Trier in der kommenden Saison nicht mehr in der 1. Bundesliga antreten wird, so dass nunmehr bereits der 13. Platz ein Nicht-Abstiegsplatz war. Die im Mittelfeld der Tabelle liegenden Aachener hatten zwar nicht ihre allerstärkste Aufstellung vor Ort, waren aber nominell trotzdem zu favorisieren. So auch am 1. Brett, an dem Michael Bezold in eine spektakuläre Opfervariante seines peruanischen Großmeister-Kollegen Julio Granda Zuniga in den Reihen der Aachener lief. Wie am Vortag geriet unsere Mannschaft also auch gegen Aachen schnell in Rückstand. Ganz anders als am Vortag gestaltete sich aber der Kampf an allen übrigen Brettern. Ohne schnelle Remisschlüsse zuzulassen ging es in den einzelnen Partien zur Sache. Dabei war es diesmal Philip Lindgren, der sich aus der Eröffnung heraus einen Vorteil erspielte, einen gedeckten Freibauern auf d6 installierte, anschließend die Stellung am Königsflügel öffnete und den schwarzen König auf der Grundreihe matt setzte. Das war der Ausgleich für die Mannschaft und gleichzeitig seine beste Saisonleistung ausgerechnet in diesem wichtigen Kampf! Als es auf die Zeitkontrolle zuging wurde es dann dramatisch. Alexander Belezky hatte mit einer ungewöhnlichen Eröffnung eine extrem verwickelte Stellung aufgebaut, die seinen Gegner nicht nur zwei Bauern, sondern auch jede Menge Zeit kostete. Dafür musste er lange um einen guten Entwicklungsplan kämpfen. Bei immer stärker werdender Initiative seines Gegners griff er schließlich fehl und das Blatt begann sich zu wenden. Doch noch war die Zeitkontrolle nicht geschafft. Im 40. Zug geschah dann das Unglaubliche. Mit einer knappen Minute auf der Uhr begann Weiß sich noch einmal in Überlegungen zu vertiefen. Erst eine Sekunde vor Ablauf der Zeit glitt der Blick wieder zur Uhr. Zu wenig, um noch den Zug auszuführen und auf die Uhr zu drücken. Äußerst glücklich also in diesem Moment die Führung für den FC Bayern, aber womöglich auch ein Ausgleich für so manche Situation im Saisonverlauf, in der das nötige Glück fehlte. Nach den Remisen von Christian Gabriel, Valentin Dragnev und Thomas Reich stand es nach der Zeitkontrolle 3-2 für unsere Mannschaft. Eine starke Partie hatte bis dahin auch Stefan Schneider hingelegt, der sich in einem vorteilhaften Endspiel befand, das alsbald schon in einer klaren Gewinnstellung mündete. Er ließ nichts mehr anbrennen und besorge so das 4-2. Damit fehlte jetzt nur noch eine Remis zum heiß ersehnten Sieg, der die Mannschaft fast schon ans rettende Ufer bringen würde. Um dieses Remis kämpften in Ihren Endspielen Linus Johansson und Peter Meister, die beide im Nachteil waren, aber maximalen Wiederstand leisteten. Es passte ins Bild an diesem Tag, dass beide ihre Stellungen schließlich hielten und je einen halben Punkt zum 5-3 Endstand beitrugen. Alles in allem ein starker Auftritt der Mannschaft, die sich damit wieder auf den 12. Platz nach vorne schob, mit zwei Punkten Vorsprung auf den 14. Platz. Da die auf diesem Platz liegende Mannschaft aus Speyer in der Schlussrunde noch gegen die SG Solingen anzutreten hatte und die punktgleichen Griesheimer auch im Falle eines Sieges gegen Dresden wegen der deutlich schlechteren Brettpunkte kaum noch eine Gefahr darstellten, war der Klassenerhalt fast - aber noch nicht ganz - geschafft.

So war es auch am Montag, den 1. Mai noch einmal angesagt, sich voll zu konzentrieren. Gegner war an diesem Tag, die SG Turm Trier, also jene Mannschaft, deren Rückzug in der kommenden Saison die Situation im Abstiegskampf verändert hatte. Auch gegen Trier hielt unsere Mannschaft in einem Match lange mit, das sich in die eine oder andere Richtung hätte entwickeln können. Letztlich behielten die Trierer knapp mit 4,5-3,5 die Überhand. Den Partieverlusten von Michael Fedorovsky und Stefan Schneider stand einzig der „Gegentreffer“ von Peter Meister entgegen. Dieser kam allerdings erst ganz zum Schluss, als die Entscheidung bereits gefallen war. Da auch der MSA Zugzwang noch gegen Aachen gewann, weitere Überraschungen aber ausblieben, beendete unsere Mannschaft die Saison auf dem 13. Platz, der auch in der nächsten Saison wieder zur Teilnahme an der 1. Schachbundesliga berechtigt.

Insgesamt fällt das Saisonfazit durchaus positiv aus. Auch wenn der ursprünglich angestrebte 12. Platz knapp verpasst wurde, war die Mannschaft noch nie so dicht am "Klassenerhalt aus eigener Kraft“. Das stimmt optimistisch für die kommende Saison, in der sich das Gesicht der Mannschaft sicher weiter verändern wird. Die Integration und positive Entwicklung der Nachwuchsspieler - in dieser Saison durch die Großmeisternorm von Linus Johansson bestens dokumentiert - hat sich nachhaltig auf die Substanz der Mannschaft ausgewirkt und gibt die Richtung vor, in der auch künftig Schach auf Bundesliganiveau beim FC Bayern München gefördert wird. (Wengler)

Mannschaftsaufstellungen und Einzelergebnisse:

Brett Nr. MSA Zugzwang 5 3 FC Bayern Nr.
1 1 Bromberger 0,5 0,5 Fedorovsky 3
2 2 Kindermann 0,5 0,5 Gabriel 4
3 3 Mons 0,5 0,5 Dragnev 5
4 4 Hertneck 1 0 Johansson 6
5 6 Zysk 1 0 Lindgren 7
6 7 Gerigk 0,5 0,5 Schenk 8
7 8 Dr. Hoffmeyer 0,5 0,5 Ribli 10
8 9 Eichler 0,5 0,5 Schneider 12

 

Brett Nr. FC Bayern 5 3 DJK Aachen Nr.
1 1 Bezold 0 1 Granda Zuniga 1
2 4 Gabriel 0,5 0,5 van Foreest 3
3 6 Johansson 0,5 0,5 Nijboer 6
4 7 Lindgren 1 0 Hoffmann 10
5 9 Belezky 1 0 Zaragatski 11
6 12 Schneider 1 0 Braga 12
7 14 Reich 0,5 0,5 Braun 13
8 15 Meister 0,5 0,5 Capone 15

 

Brett Nr. SG Trier 4,5 3,5 FC Bayern Nr.
1 2 Erdos 0,5 0,5 Bezold 1
2 4 Parligras 1 0 Fedorovsky 3
3 5 Gledura 0,5 0,5 Gabriel 4
4 7 Bobras 0,5 0,5 Dragnev 5
5 10 Cyborowski 0,5 0,5 Schenk 8
6 11 Jaracz 0,5 0,5 Ribli 10
7 12 Gonda 1 0 Schneider 12
8 14 Seger 0 1 Meister 15