1. Bundesliga 2016/2017 - Runden 11 und 12

Am vorletzten Wettkampfwochenende in der Schachbundesliga war der FC Bayern zum zweiten Mal in dieser Saison Gastgeber in der BayernLB Sportarena. Neben dem Lokalrivalen und Reisepartner MSA Zugzwang waren diesmal der SV Hockenheim und der SV Griesheim zu Gast. Während die Hockenheimer in der Tabelle um die vorderen Plätze mitspielen und gegen beide Münchner Vereine als klarer Favorit galten, der gehört der SV Griesheim ganau wie der FC Bayern und MSA Zugzwang zu den fünf Mannschaften, die am Tabellenende gegen den Abstieg kämpfen.
(Foto: Konzentration unmittelbar vor Beginn der Begegnung SV Griesheim - FC Bayern am Sonntag. Im Hintergrund zu erkennen die Fahne der "Red Munichs 1989". Die waschechten Bayern-Fans blieben bis zum Schluss und brachten offensichtlich Glück! - Quelle alle Fotos in diesem Artikel: Wolfgang Galow)

Somit standen auch zwei direkte Aufeinandertreffen von Abstiegskandidaten auf dem Wochenendprogramm in der Osterwaldstraße. Am Samstag setzte sich dabei zuerst MSA Zugzwang überraschend eindeutig mit 5-3 gegen den SV Griesheim durch und zog in der Tabelle am FC Bayern vorbei. Letzteres war insofern keine Überraschung, als unsere Mannschaft den erwartet schweren Stand gegen den SV Hockenheim hatte. Erfreulicherweise gestaltete sich dieser Kampf aber keineswegs zu einem Debakel, sondern endete mit 2,5-5,5 absolut "im erträglichen Bereich". Höhepunkt aus unserer Sicht war der Sieg von Linus Johansson (Foto) gegen Rainer Buhmann, der zu den stärksten deutschen Großmeistern zählt. Wolfgang Richter überstand in seiner Partie einige kritische Phasen, kämpfe sich dabei durch ein schwieriges Endspiel und hielt am Ende Remis. Peter Meister und Ferdinand Unzicker steuerten ebenfalls noch je einen halben Punkt zu dem respektablen Gesamtergebnis bei, beide im Prinzip recht ungefährdet.

Die volle Konzentration der Mannschaft galt dann aber dem Match am Sonntag denen den SV Griesheim. Auf drei Positionen verändert ging es in dieses erste "Endspiel" um den Klassenerhalt. Dabei hatte der FC Bayern noch einen Ausfall zu verkraften, für den Ferdinand Unzicker kurzfristig einsprang. Nominell ging unsere Mannschaft als leichter Favorit ins Rennen, doch hatten auch die Griesheimer fast ihre stärkste Aufstellung beisammen. Nach dem schnellen Remis von Andreas Schenk, der mit Schwarz einer Zugwiederholung nicht auswich, geriet unsere Mannschaft alsbald in Rückstand. Alexander Belezky fand in seiner Partie kein vernünftiges Konzept, verlief sich mit mehreren Figuren am Damenflügel und erlag dann einem gradlinigen Königsangriff seines Gegners. Damit war eine Weiß-Partie verloren und die  Mannschaft lief zunächst einem Rückstand hinterher.

Glücklicherweise war dieser Zustand jedoch nur von kurzer Dauer! An Brett 8 profitierte Ferdinand Unzicker (im Foto in seiner Samstagspartie gegen Hockenheim) nach der Eröffnung von seinem besseren Stellungsverständnis, öffnete im entscheidenden Moment effektvoll das Zentrum und überrannte die weiße Stellung danach in sehenswerter Art und Weise. So sorgte er für den wichtigen Ausgleich, der in dem sich entwickelnden engen Manschaftskampf wieder alles möglich erscheinen ließ. Unterdessen reiften auch an den beiden Spitzenbrettern die Entscheidungen heran. An Brett 1 traf Michael Bezold auf einen extrem gut vorbereiteten Gegner, der sich in der gespielten Variante besser auskannte und die erste Ungenauigkeit gekonnt für einem entscheidenden Mattangriff ausnutzte. An Brett 2 hatte dagegen Klaus Bischoff alles fest im Griff. Gut aus der Eröffnung gekommen vergrößerte er seinen Positionsvorteil praktisch mit jedem Zug. Am Ende gewann er bei überlegener Stellung Material und damit die Partie. Etwa zeitgleich remisierte Michael Fedorovsky seine Partie an Brett 3. Er hatte in ein Endspiel mit gutem Läufer gegen schlechten Läufer eingelenkt. Die dabei entstandene ungewöhnliche Bauernstruktur mit mehreren isolierten Doppelbauern in der h- und f-Linie sowie einer schwarzen Bauernmehrheit am Damenflügel ließen ein Vorankommen jedoch quasi unmöglich erscheinen. 3-3 damit der Zwischenstand, bei dem nunmehr nur noch Linus Johansson und Philip Lindgren mit ihren Gegnern am Brett saßen.

Die Partie des Tages spielten zweifelsohne Linus Johansson und das polnische Nachwuchstalent Lukasz Jarmula in den Reihen der Griesheimer. In extrem verwickelter Stellung suchten beide ihre Chance, diese wichtige Partie zu gewinnen und agierten dabei äußerst kreativ. Doch war es letztlich Linus Johansson der in dem taktischen Scharmützel die bessere Übersicht behielt und die Dame für zwei Leichtfiguren gewann. Im Anschluss daran wickelte er sicher zum Gewinn ab.

Ganz anders das Bild in der Partie von Philip Lindgren (Foto), der einen leichten Stellungsvorteil aus der Eröffnung holte und sich später in einem chancenreichen Endspiel mit Dame und Läufer auf beiden Seiten wiederfand, in dem der von den eigenen Bauern eingesperrte schwarze Läufer das Hauptproblem für seinen Gegner darstellte. Allerdings hätte er für einen Gewinn noch einen Bauerndurchbruch realisieren müssen, für den er sich dann auch Schritt für Schritt am Königsflügel positionierte. Mit Blick auf das Gesamtergebnis wartete er jedoch ab und hielt mit einer Reihe stiller Züge zunächst an seinem Vorteil fest. Erst als Linus Johansson seine Partie gewonnen hatte, tauschte er die Dame, remisierte seine Partie ohne noch einmal etwas zu riskieren und sorgte damit für das heiß ersehnte 4,5-3,5. Sein souveränes und mannschaftsdienliches Spiel war an diesem Tag weit mehr wert als nur der halbe Punkt, der letztlich zum Sieg reichte.

In der Tabelle könnte die Situation im Abstiegskampf vor den drei letzten Runden am 29.04. bis 01.05. in Berlin nicht spannender sein. Die SG Speyer-Schwegenheim und der FC Bayern liegen mit 5 Punkten knapp vor dem SV Griesheim, dem SK König Tegel und MSA Zugzwang, die jeweils 4 Punkte auf dem Konto haben. Nur eine dieser fünf Mannschaften wird am Ende den rettenden 12. Platz erreichen. Vielleicht sind dabei die beiden Münchner Vereine leicht im Vorteil, denn zwischen ihnen werden im einzigen noch verbliebenen direkten Duell zweier Abstiegskandidaten noch zwei Punkte vergeben. Alle anderen Mannschaften müssen dagegen zumindest noch eine Überraschng schaffen...(Wengler)

Mannschaftsaufstellungen und Einzelergebnisse:

Brett Nr. FC Bayern 2,5 5,5 SV Hockenheim Nr.
1 3 Fedorovsky 0 1 Howell 5
2 6 Johansson 1 0 Buhmann 6
3 7 Lindgren 0 1 Saric 7
4 9 Belezky 0 1 Moiseenko 10
5 13 Richter 0,5 0,5 Baramidze 12
6 14 Reich 0 1 Braun 13
7 15 Meister 0,5 0,5 Rau 14
8 16 Dr. Unzicker 0,5 0,5 Boguslawski 15

 

Brett Nr. SV Griesheim 3,5 4,5 FC Bayern Nr.
1 2 Georgiadis 1 0 Bezold 1
2 3 Krassowizkij 0 1 Bischoff 2
3 4 Grabarczyk, M. 0,5 0,5 Fedorovsky 3
4 6 Jarmula 0 1 Johansson 6
5 7 Walter 0,5 0,5 Lindgren 7
6 8 Baskin 0,5 0,5 Schenk 8
7 9 Grimm 1 0 Belezky 9
8 11 Grabarczyk, B. 0 1 Dr. Unzicker 16

 

Fotogalerie (Quelle: Wolfgang Galow):

Amtierte gewohnt souverän: Schiedsrichter Ralph Alt

 

 

 

 

 

 

Während Wolfgang Richter in dieser Szene entschlossen mit seinem Turm auf der 2. Reihe manövriert, wirkt David Baramidze eher skeptisch, was die Verwertbarkeit seines Mehrbauern angeht. Am Ende ließ er einige Chancen aus und gestattete das Remis:

 

 

 

 

 

 

Wer hantiert denn da im Spielsaal mit seinem Mobiltelefon? Marc Lang hat nur noch die Partie von David Howell und Michael Fedorovsky zu beobachten, die im Hintergrund noch immer läuft:

 

 

 

 

 

 

Kommentierte am Samsag und spiele am Sonntag: Klaus Bischoff, der wie immer die Zuschauer vor Ort und im Internet mit Informationen versorgte:

 

 

 

 

 

 

Spielte am Samstag und kommentierte am Sonntag für die Zuschauer vor Ort: Thomas Reich

 

 

 

 

 

 

Unterstützung durch "echte Fans": Die Red Munichs 1989 blieben volle 5 Stunden vor Ort und erlebten den knappen Bayern-Sieg gegen Griesheim live im Spiellokal! Hier im Foto mit einigen Mitgliedern des Support Teams (in Weiß):