1. Bundesliga 2016/2017 - Runden 1 und 2

Die 1. Mannschaft hat vor heimischer Kulisse einen Saisonstart nach Maß hingelegt! Zwar gab es am Samstag wie schon in der Vorsaison gegen den haushohen Ligafavoriten und aktuellen Vizemeister OSG Baden-Baden die erwartet deutliche Niederlage. Am Sonntag gelang dann aber nach hartem Kampf und höchst spannendem Verlauf ein verdienter Sieg gegen die SG Speyer-Schwegenheim, einem vermeindlichen direkten Mitbewerber im Kampf um den Klassenerhalt. Damit sind die ersten beiden Punkte auf dem Konto des FC Bayern, womit ein guter Grundstein für den weiteren Saisonverlauf gelegt ist.

Mit von der Partie war auch Andreas Schenk, hier im Bild während seiner Partie gegen Alexei Shirov. Diesen, und viele weitere interessante Momente fing Wolfgang Galow mit seiner Kamera ein. Zahlreiche weitere Fotos gibt es in seinem Fotoalbum

Veranstaltungsort für den Bundesligaauftakt in München war die BayernLB Sportarena in der Osterwaldstraße, eine Sportanlage mit angeschlossener Gastronomie, in der auch das jährliche Schnellturnier der BayernLB stattfindet. Der äußere Rahmen war ohne Zweifel erstligawürdig und selbiges erhofften sich die Zuschauer dann auch von den sportlichen Auseinandersetzungen.

Und die Zuschauer sollten nicht enttäuscht werden. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere zwei Faktoren: Zum einen rückten die Gäste aus Baden-Baden erneut mit zahlreichen Weltklassespielern an, die live zu sehen natürlich immer ein besonderes Erlebnis ist. Zum anderen kreuzten mit der Mannschaft aus Speyer-Schwegenheim und den beiden Münchner Vereinen gleich drei potenzielle Abstiegskandidaten die Klingen, so dass hier im Vorfeld bereits von den ersten "Endspielen" die Rede war. Das erste dieser Abstiegsduelle lieferten sich am Samstag die beiden Aufsteiger SG Speyer-Schwegenheim und MSA Zugzwang, wobei nach langem Kampf schließlich die Gäste aus Rheinland-Pfalz knapp die Oberhand behielten. Parallel dazu bemühte sich unsere Mannschaft nach Kräften, die erwartete Niederlage gegen Baden-Baden in Grenzen zu halten. Am Ende hieß es hier 2-6, mithin das gleiche Ergebnis wie vor Jahresfrist gegen den gleichen Gegner. Damit konnte unsere Mannschaft gut leben, zumal dieses Ergebnis auch in etwa der an den ELO-Zahlen der eingesetzten Spieler gemessenen Gewinnerwartung entspricht. Neben den beiden Remisen von Andreas Schenk und Zoltán Ribli (Foto) gelang Peter Meister sogar noch das "Ehrentor". Er saß zwar ausnahmsweise keinem Großmeister gegenüber, aber auch gegen die Nachwuchstalente der Baden-Badener will erst noch gewonnen sein.

Die Paarungen des Samstags zogen über den Nachmittag verteilt geschätzte 100 bis 120 Zuschauer an, die den Turniersaal durchgängig gut bevölkerten. Gleiches kann man ohne Übertreibung auch von dem Live-Kommentar-Raum (Foto) behaupten, in dem mit Klaus Bischoff ein echter Profi seines Fachs die Zuschauer vor Ort und im Internet in die Geheimnisse der gerade laufenden Partien einweihte. Dies wollten sich zahlreiche Münchner Schachfans nicht entgehen lassen.

Am Sonntag kam es dann für die wie immer in rot antretenden Bayern zur ersten ganz großen Bewährungsprobe in der neuen Saison gegen die Mannschaft der SG Speyer-Schwegenheim. Zahlenmäßig sehr ausgeglichen an den Brettern sitzend, lieferten sich beide Teams einen Kampf auf Biegen und Brechen, bei dem bis zum Schluss jedes Ergebnis noch möglich erschien. Nach den relativ unspektakulären Remisen von Andreas Schenk und Thomas Reich zeichnete sich am ehesten in der Partie von Alexander Belezky eine Entscheidung ab. Leider hatte dieser nach der Eröffnung bereits einige Probleme und verlor schließlich relativ glatt, was die Gäste in Führung brachte. Diese Führung hatte lange über die Zeitkontrolle hianus Bestand. Zoltán Ribli und Michael Fedorovsky remisierten ihre ausgekämpften Partien. Zumindest Letzterer hätte zwischenzeitlich die Chance gehabt, ernsthaft auf Gewinn zu spielen. Als diese Möglichkeit verstrichen war, stand es 2-3 aus unserer Sicht.

Die drei übrigen Partien sahen zu diesem Zeitpunkt optisch eher etwas besser für uns aus, doch war der ersehnte "Ausgleichstreffer" noch keineswegs konkret in Sicht. Diesen trauten die meisten Kibitze am ehesten dem mit einem Mehrbauern spielenden Christian Gabriel zu. Jedoch hatte dieser beim Übergang ins Schwerfigurenendspiel eine Schrecksekunde zu überstehen, als sein Gegner die Chance zu einer wahrscheinlichen Gewinnabwicklung ausließ. Danach setzte er sich mit seiner Endspieltechnik durch und schaffte das 3-3. Nur wenige Minuten später dann sogar die Führung für den FC Bayern, als Peter Meister (Foto) sein Endspiel mit zwei Bauern gegen die Qualität gewann. Bei dem reduzierten Material war die Stellung objektiv wohl lange remis. Nichtsdestotrotz spielte er bei dem zwischenzeitlichen 2-3 natürlich noch weiter. Eine Art Ermüdungsschlacht entwickelte sich, in der schließlich seinem Gegner der letzte Bauer abhanden kam. Das war der Sieg für Peter Meister und die Führung für uns. MIt zwei vollen Punkten ein besonderes Erfolgswochenende für unser 8. Brett!.

Die Partie des Tages aber spielte Valentin Dragnev. Anstatt sich mit einem remislichen Schwerfigurenendspiel zu begügen, opferte er im Endspiel die Qualität und hatte danach zwei verbundene Freibauern am Damenflügel und einen Läufer gegen die schwarze Bauernmajorität am Könisgflügel und einen Turm. Bei weitem nicht alle Kommentatoren und Zuschauer waren hier einer Meinung, wie diese Stellung wohl zu bewerten sei. Wie diese Stellung jedoch zu spielen war, zeigte der junge Österreicher dann in eindrucksvoller Art und Weise. Bei durchaus guter Gegenwehr fand er genau den richtigen Weg zum Ziel und landete einen vollen Erfolg, der der Mannschaft schließlich den 5-3 Sieg einbrachte.

Insgesamt eine starke Leistung unserer Mannschaft, die sich voll in diesen wichtigen Wettkampf "hereingehängt" hat, und in dieser Verfassung sicher ihre Chance haben wird, erstmals in der jüngeren Vereinsgeschichte den Klassenerhalt wieder aus eigener Kraft zu schaffen. Auch am Sonntag waren erneut zahlreiche Zuschauer vor Ort, die sich teilweise auch aus den Spielern der 2. und 3. Mannschaft und ihrer jeweiligen Gegner in Oberliga und Regionalliga rekrutierten, die zeitgleich ihre Wettkämpfe am gleichen Ort austrugen.

Die nächsten Aufgaben in der 1. Bundesliga warten im November in Berlin, wo die beiden Hauptstadt-Teams der Schachfreunde Berlin bzw. von König Tegel die Gegner sein werden. (Wengler) 

Mannschaftsaufstellungen und Einzelergebnisse:

Brett Nr. FC Bayern 2 6 OSG Baden-B. Nr.
1 1 Bezold 0 1 Wojtaszek 6
2 3 Fedorovsky 0 1 Adams 7
3 5 Dragnev 0 1 Bacrot 10
4 8 Schenk 0,5 0,5 Shirov 11
5 9 Belezky 0 1 Naiditsch 12
6 10 Ribli 0,5 0,5 Movsesian 13
7 14 Reich 0 1 Gustafsson 16
8 15 Meister 1 0 Martin 17

 

Brett Nr. SG Speyer 3 5 FC Bayern Nr.
1 1 Neiksans 0,5 0,5 Fedorovsky 3
2 3 Kantans 0 1 Gabriel 4
3 5 Horvath 0 1 Dragnev 5
4 7 Nemeth 0,5 0,5 Schenk 8
5 8 Kovacs 1 0 Belezky 9
6 10 Dr. Shytaj 0,5 0,5 Ribli 10
7 12 Csonka 0,5 0,5 Reich 14
8 15 Flierl 0 1 Meister 15